Los geht's - im Talk

In Niedersachen hat ca. ein Viertel der Jugendlichen eine (familiäre) Migrationsgeschichte. Viele dieser Jugendlichen engagieren sich und bringen sich in Jugendgruppen und in der Gemeindearbeit ein. Manche sind über dieses Engagement eingebunden in die bestehenden Strukturen der Jugendarbeit, einige jedoch nicht. Engagement ausserhalb der bestehenden Strukturen und Netzwerke passiert oft ohne externe Unterstützung und ohne Zugang zu Fördermitteln. Hier besteht Nachholbedarf.

nextkultur in der "korrespondenz 136

Mit dem neuen neXTkultur-Baustein Los geht's werden junge Menschen aus Vereinigungen junger Menschen mit (familiärer) Migrationsgeschichte (VJMs), Migrant-inn-enjugendselbstorganisationen (MJSOen), Neuen Deutschen Jugendorganisationen und Organisationen von jungen People of Color (PoC) in ihren Vereinigungen und Gruppen (weiter) gestärkt und qualifiziert.

Dazu wurden erfahrene junge Erwachsene, die seit einigen Jahren aktiv sind in der Jugendverbandsarbeit, zu Coaches ausgebildet. Ende Oktober 2018 kamen die angehenden Coaches zu einem Ausbildungswochenende zusammen, lernten sich, sowie die Strukturen und relevanten Akteur-inn-e-n der Jugendarbeit kennen, tauschten sich aus über ihre Erfahrungen und entwickelten die Workshops. Auch wurde über die Rolle als Coach und die Wichtigkeit sowie Bedarfe von VJMs/MJSOen/ PoC-Jugendgruppen gesprochen - besonders der geschützte Raum, die Unterstützung bei der Identitätssuche, die Interessenvertretung sowie die Möglichkeit der Teilhabe und Verantwortungsübernahme wurden hervorgehoben.Diese Coaches bieten seit Anfang November in ganz Niedersachsen in Kooperation mit Jugendgruppen und Trägern der Jugendhilfe vor Ort Workshops zur Jugendarbeit an, coachendie Aktiven und begleiten sie einen Schritt weiter auf ihrem individuellen Weg zu mehr Partizipation und Teilhabe in der Migrationsgesellschaft.

Bei den Workshops sollen die Möglichkeiten und Ansprechpersonen der Strukturen der Jugendarbeit (intensiver) kennengelernt und Ideen für das eigene Profil der Jugendarbeit entwickelt werden. Mit den ausgebildeten Coaches können Aktive von Landesverbänden (in Gründung) und regionalen Jugendgruppen die Planung und Finanzierung von Angeboten, Veranstaltungen und Projekten sowie den Einsatz von Methoden der Jugendarbeit und Teamarbeit lernen. Mit dem Projekt Los geht's werden junge People of Color und Jugendliche mit (familiärer) Migrationsgeschichte als Coaches, in ihren Jugendgruppen und in den überregionalen Verbänden qualifiziert und gestärkt und die Jugendarbeit bereichert.

Interview mit Los geht's-Coaches

WELCHE ERFAHRUNGEN IN DER JUGENDARBEIT HAST DU GEMACHT?

Taudy: Angefangen habe ich als Teilnehmerin beim Jugendwerk der AWO. Später war ich Jugendleiterin, Teil des Vorstands und habe in einigen Gremien wie auch dem Stadtjugendring mitgearbeitet. Nach dem Studium war ich Bildungsreferentin bei der Naturfreundejugend.

WAS ERWARTEST DU VON LOS GEHT'S?

Taudy: Mit Los geht's werden vorhandene Kompetenzen sichtbar gemacht und weitergegeben, sodass dieses wichtige Wissennicht verlorengeht. Die Coaches übernehmen eine wichtige Vorbildfunktion für die Workshopteilnehmenden und empowern diese. Den Selbstorganisationen wird viel Organisationsaufwand abgenommen. Über das Projekt werden Angebote an Jugendliche und Selbstorganisationen gemacht, die klassischerweise von überregionalen Jugendverbänden übernommen werden. Da die überregionalen VJMs/MJSOen in Niedersachsen keine ausreichenden finanziellen Mittel, nicht die notwendigen zeitlichen Kapazitäten und kein fachliches, hauptamtliches Personal zur Verfügung haben, können sie leider nicht genügend solcher Angebote machen. Es ist gut, dass der Landesjugendring über neXTkultur diese Lücke füllt, aber besser wäre es, wenn die Verbände es selbst könnten.

 WIE WAR DAS AUSBILDUNGSWOCHENENDE FÜR DICH?

Taudy: Es war inspirierend und bereichernd mit vielen sympathischen und kompetenten jungen Menschen. Ich freue mich sehr auf die kommenden Monate mit den Los geht's-Coaches und sehe großes Potenzial für Niedersachsen

WELCHE ERFAHRUNGEN IN DER JUGENDARBEIT HAST DU GEMACHT?


Modou: Ich war seit Langem bei der DJO aktiv und habe unter anderem mit Jugendlichen Rap-Workshops durchgeführt und Ferienfreizeiten geteamt.

WAS WAR DEIN HIGHLIGHT EINES COACHING-WORKSHOPS?

Modou: Ich habe einen Workshop mit Aktiven aus Ortsgruppen der Alevitischen Jugend geleitet, und wir sprachen darüber, warum die jungen Menschen ehrenamtlich diese Aufgaben übernehmen, und ich war vollkommen begeistert und überwältigt von der Motivation, den Visionen und dem Ehrgeiz der Anwesenden.