Sesam öffne dich – (weitere) kommunale Jugendringe wachsen an Vielfalt

Als neXTkultur vor wenigen Jahren startete, war ein Ziel die strukturelle Integration von Vereinigungen junger Menschen mit Migrationsgeschichte (VJMs) und Migrantenjugendselbstorganisationen (MJSOen) in bestehende Strukturen. Integration ist immer ein zweiseitiger Prozess und keine Einbahnstraße, denn nicht nur die VJMs und MJSOen müssen »integrationswillig« sein, auch die bestehenden Strukturen müssen bereit sein, sich zu öffnen und neue Mitglieder anderer Herkunft und mit neuen Ausrichtungen aufnehmen zu wollen.

neXTkultur in der „korrespondenz Nr. 131” vom 1.03.2017

Seitdem hat auch der Landesjugendring zwei Mitglieder migrantischen Ursprungs: seit 2012 sind der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland BDAJ Norden e.V. und seit 2014 der DITIB- Landesjugendverband Niedersachsen und Bremen Mitglied im LJR.

Auch der Bundesjugendring und viele weitere Landesjugendringe haben VJMs und MJSOen aufgenommen und auch in den kommunalen Jugendringen hat sich vieles getan. Eine Erhebung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) aus 2010 hat ergeben, dass in 2009 53,3% der Stadtjugendringe und 18,2% der Kreisjugendringe Mitgliedsorganisationen haben, die größtenteils aus Jugendlichen mit (familiärer) Migrationsgeschichte bestehen. In Niedersachsen haben u.a. die Stadtjugendringe Wolfsburg, Hannover und Oldenburg sowie der KJR Osnabrück solche unter ihren Mitgliedsverbänden.

Im letzten Jahr haben der Kreisjugendring Stade und der Kreisjugendring Nienburg den Entschluss gefasst, sich weiter zu öffnen und werden dabei vom Landesjugendring Niedersachsen begleitet. Ziele wurden formuliert, die konkrete Umsetzung hat bereits begonnen. Als Schwerpunkt wurde die Öffnung von Angeboten und der Strukturen der Jugendringe formuliert. Das bedeutet praktisch, Kinder und Jugendliche mit (familiärer) Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung anzusprechen und in die Angebote der Jugendarbeit einzubeziehen und zudem MJSOen und VJMs in die Strukturen der Kommunalen Jugendarbeit aufzunehmen. Die Prozesse verlaufen individuell sehr unterschiedlich, werden aber professionell begleitet. Neben individueller Beratung gibt es auch gemeinschaftliche Treffen, um voneinander und miteinander zu lernen.

Weitere kommunale Jugendringe sind willkommen, in den Prozess einzusteigen. Bei Interesse steht die neXTkultur-Programmstelle unter nextkultur(at)ljr.de  für Fragen und Unterstützung zur Verfügung.

 

Interviews mit den Beteiligten:

LJR: Wie kam es dazu, dass ihr als Kreisjugendring Stade euch bewusst für einen Prozess zur interkulturellen Öffnung entschieden habt?

ANNA-KATHARINA, BILDUNGSREFERENTIN BEIM KJR STADE: Durch die Trainer-innen-Ausbildung für interkulturelle Kompetenz in der Jugendarbeit (TiK) beim LJR haben eine aktive Jugendleiterin und ich uns intensiv mit diversitätsbewusster Jugendarbeit auseinandergesetzt und den Impuls bekommen, das Gelernte auch umzusetzen.

LJR: Was erhofft ihr euch von dem Prozess?

ANNA-KATHARINA: Wir wollen unsere Angebote inklusiver gestalten und dabei Inklusion als ganzheitliches Konzept sehen.

LJR: Was habt ihr vor?

ANNA-KATHARINA: Wir wollen MJSO und VJM als neue Mitglieder gewinnen, eine interkulturelle Juleica-Schulung anbieten und weitere Fortbildungen und Ferienfahrten inklusiv gestalten.

LJR: Was rätst du anderen?

ANNA-KATHARINA: Betrachtet Interkulturalität als Normalität!

 

LJR: Hallo Jana! Wollt ihr im Kreisjugendring Nienburg auch neue Mitglieder gewinnen?

JANA, BILDUNGSREFERENTIN BEIM KJR STADE: Bei uns sind bereits muslimische und ezidische Jugendgruppen Mitglied, aber wir wollen gerne noch weitere aufnehmen.

LJR: Was ist schon passiert?

JANA: Nach Vorgesprächen hat unser Vorstand letztes Jahr beschlossen, den Prozess der Öffnung aktiv anzugehen. Bei unserer letzten Vollversammlung im Oktober wurde das Vorhaben dann vorgestellt und die Mitglieder wurden informiert. Außerdem hat ein Planungsgespräch zum konkreten Vorgehen stattgefunden.

LJR: Wie war euer Planungsgespräch?

JANA: Es war ein anstrengender Nachmittag, aber hinterher waren wir ganz glücklich!

LJR: Was steht bei euch an?

JANA: Wir entwickeln demnächst mit den Mitgliedsverbänden ein Leitbild und machen im März einen Sensibilisierungsworkshop mit den Beteiligten und Interessierten. 

 

Quellen und Lesetipps

DJI, 2012: Jugendringe – Kristallisationskerne der örtlichen Jugendarbeit

Ansgar Drücker, 2013: Die Interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit. Bestandsaufnahme und Erfahrungen aus Projekten.