Neue TiK-Fortbildung 2017

Die erste Trainer-innen Ausbildung für interkulturelle Kompetenz in der Jugendarbeit (TiK)

Die erste Trainer-innen- Ausbildung für interkul- turelle Kompetenz in der Jugendarbeit (TiK) ging erfolgreich zu Ende.

nexkultur in der "Korrespondenz Nr. 130"

An zehn Ausbildungstagen innerhalb eines halben Jahres kamen die Teilnehmenden zusammen, um sich durch Gruppenarbeiten, Vorträge, Austausch, Filmausschnitte, Selbsterfahrungen durch Methoden, Diskussionen, Rollenspiele und Besuche fortzubilden und anschließend für die Jugendarbeit in der Einwanderungsgesellschaft besser gewappnet zu sein.

Die Fortbildung beleuchtete verschiedene Alltagsrealitäten, vermittelte rechtliche Grundlagen und rücktedie Biographien von Menschen mit familiärer Zuwanderungsgeschichte und/oder eigener Migrationserfahrung exemplarisch in den Fokus. Auch wurde auf die Besonderheiten, die speziell bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen zu beachten sind, aufmerksam gemacht. Nach dem ersten gegenseitigen Kennenlernen innerhalb der 20-köpfigen Gruppe standen die Sensibilisierung und Reflexion der eigenen gesellschaftlichen Verortung im Vordergrund. Obwohl es dabei oft ans Eingemachte ging, wurde viel gelacht, und als alles vorbei war, gingen alle mit einem Lächeln aus den Ausbildungstagen. Dies lag wohl auch an der Fähigkeit der Referentin, harte Themen mit Leichtigkeit zu vermitteln.

In einem Modul mit besonderem Fokus auf Flucht und junge Geflüchtete wurden das Asylverfahren erläutert, das Jugendhilfesystem und die besonderen Gegebenheiten in Niedersachsen erklärt. Es wurde auf Lebenslagen geflüchteter Kinder und Jugendlicher eingegangen und praktische Handlungsmöglichkeiten diskutiert. Eine Vertreterin vom Flüchtlingsrat Niedersachsen konnte hier einen detaillierten Einblick geben. Ein Traumapädagoge sprach über die Belastungen nach der Flucht und wies auf die Konsequenzen für die praktische Arbeit hin. Der Höhepunkt für viele war der Vortrag eines Vertreters von "Jugendliche ohne Grenzen". Er erzählte vom Ankommen der Flüchtenden in Deutschland und der Selbstorganisation junger Geflüchteter. In einem weiteren Modul beleuchteten Mitarbeitende vom Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit Aspekte der diversitätsbewussten und rassismuskritischen Jugendarbeit und erarbeiteten mit den Teilnehmenden den Umgang mit Diskriminierung und rassistischen Aussagen in der Arbeitspraxis. Danach wurden Trainings in Kleingruppen konzipiert und die Trainer-innen-Rolle erprobt. Die Inhalte wurden anhand von Methoden gelernt, die auch in den eigenen Trainings angewendet werden können.

Zwischen dem vierten und dem letzten Modul entwickelten die Teilnehmenden ein eigenes Training und führte dieses anschließend durch. Beim letzten Modul stellten sie ihre durchgeführten Trainings vor und besprachen Schwierigkeiten, Unsicherheiten und Erfolgserlebnisse.

Die feste Gruppe der ersten TiK-Ausbildung war bunt gemischt und bestand aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der offenen Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, von Jugendringen, aus Vereinigungen junger Menschen mit Migrationsgeschichte, Betreuenden von Eh- renamtlichen und anderweitig Aktiven in der Jugendarbeit. Einige von ihnen arbeiten direkt mit Jugendlichen, andere vor allem mit Multiplikator-inn-en. Viele von ihnen brachten zahlreiche eigene Erfahrungen und Beispiele aus der Praxis ein und erzählten von Situationen aus dem Alltag oder besonderen Phasen aus der Arbeits- und Erfahrungswelt der letzten Jahre, die auch geprägt waren von den vielen jungen Geflüchteten. Dadurch konnte die Gruppe nicht nur miteinander, sondern auch voneinander lernen. Besonders die Berufsanfänger-innen betonten wiederholt den Mehrwert dieses Austausches. Trotz der verschiedenen persönlichen und fachlichen Hintergründe war allen eines gemeinsam: Sie möchten sich in interkulturelle Angelegenheiten vertiefen und sich mit diversitätsbewusster und diskriminierungskritischer Jugendarbeit beschäftigen und ihr Wissen weitertragen. Es wurde gelobt, dass "die Fortbildung die Theorie zur Praxis war, die in den vergangenen Monaten erlebt wurde", dass "die Inhalte den Horizont erweitert haben" und dass "die Fortbildung auch für Personen mit viel Vorwissen noch sehr spannend und lehrreich ist". Neben der gemeinsamen Zeit im Seminarraum wurde im Rahmen der TiK-Ausbildung auch eine Moschee besucht, wo die Gruppe zum Fastenbrechen eingeladen war, was die Teilnehmenden als besondere Erfahrung bezeichneten. Auch gab es gemeinsame Grillabende und nette Stunden in der Sonne.