Alle BiK-Termine im Überblick

Jede menge BiK's sorgen für interkulturelle Kompetenz in der Jugendarbeit

Nachdem Anfang März der erste Baustein für interkulturelle Kompetenz (BiK)im Rahmen der neuen Qualifizierungsreihe stattgefunden hat, folgten bis zu den Sommerferien fünf weitere, verteilt in ganz Niedersachsen, jeweils in Kooperation mit lokalen Partner-inne-n wie JANUN, dem BDKJ, dem Kreisjugendring Hameln- Pyrmont und dem Stadtjugendring Buxtehude. Über 100 Jugendliche und Multiplikator-inn-en der Jugendarbeit haben bisher teilgenommen.

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JEDE MENGE BIKS SORGEN FÜR INTERKULTURELLE KOMPETENZ IN NIEDERSACHSEN

Rechtliche Bedingungen: 15. März, Lüneburg

Die Referentin Jill Pöggel gab zu Beginn des Themas "rechtliche Bedingungen in der Jugendarbeit mit geflüchteten Jugendlichen" einen Einblickin die Genfer Flüchtlingskonvention, welche die rechtliche Grundlage bildet und im Europarecht und im nationalen Recht verbrieft ist. Nach einem Überblick über das Asylverfahren und die einzelnen Schritte (Einreise, Antragstellung, Anhörung und die Entscheidung des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)) sowie die verschiedenen Statusgruppen und Aufenthaltstitel sollten die Teilnehmer-innen erarbeiten, was in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten zu beachten ist. Dabei entstand einheitlich der Eindruck, dass das deutsche Asylrecht ein komplexes Rechtssystem mit vielen Ausnahmen und Sonderregelungenist. Nach zahlreichen Beispielen und anschaulichen Erklärungen der Referentin äußerte ein Teilnehmer: "Das macht was mit den Menschen, und das versteht man jetzt." Frau Pöggel gab letztlich den Tipp, Begegnungen auf Augenhöhe zu schaffen und dadurch ein "Ausgrenzen durch Helfen" zu vermeiden. Und ihr wichtigster Tipp: Man sollte immer nett zur Unterkunftsleitung zu sein.

Fluchterfahrung aus dem Sudan: 18. April, Hildesheim

Dörthe Hinz vom Flüchtlingsrat Niedersachsen nannte zu Beginn des Themas "Jugendarbeit und Menschen mit Fluchterfahrung" aktuelle Zahlen und die Hauptherkunftsländer: Syrien, Afghanistan, Irak und Albanien. Niedersachsen ist zuständig für geflüchtete Menschen aus dem Sudan. Sie betonte, dass 30% der geflüchteten jungen Menschen unter 16 Jahre und weitere 20% geflüchtete Jugendliche unter 25 sind. Buga und Ahmend berichteten aus ihrem Herkunftsland, dem Sudan: bestehend aus 26 Bundesstaaten, vonMuslimen sowie Christen bewohnt und ein multikulturelles Land, ehemalige Kolonie von Ägypten und Großbritannien und seit 1956 unabhängig. Außerdem erzählten die beiden von ihren Fluchtwegen mit verschiedenen Stationen und ihren Erlebnissen auf der langen Reise. Die Teilnehmenden hörten gespannt zu und bedankten sich später: "Das hat mir viel gegeben heute" oder: "Danke für den persönlichen Eindruck" waren Reaktionen der Teilnehmer-innen. In einer Gruppenarbeit überlegten sie anschließend, was man in der Jugendarbeit tun kann, umgeflüchteten Kindern und Jugendlichen das Ankommen zu erleichtern. Jugendarbeit kann jungen Geflüchteten mehr Motivation geben, Deutsch zu lernen oder ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Traumapädagogische Überlegungen: 30. April, Osnabrück

Um den "Umgang mit jungen Geflüchteten mit traumatisierenden Belas- tungserfahrungen" ging es Referent Henk Göbel, der erklärte, dass ein Trauma oft aus wiederholten Grenzverletzungen entsteht, die auf der Flucht immer wieder passieren. Der erste Schritt nach traumatischen Erlebnissen sollte die Stabilisierung sein - die Grundbedürfnisse müssen erfüllt sein, um solche Erlebnisse verarbeiten zu können. Nach der Ankunft gibt es oft wenig Schutz und Privatsphäre, dafür viel Unklarheit und Unsicherheit, wodurch eine belastende Situation entsteht und ein Trauma nur schwer verarbeitet werden kann. Die Jugendarbeit kann bei dieser Stabilisierung eine große Stütze sein, um wieder Normalität herzustellen. Unter guten Bedingungen können viele potenziell traumatisierende Erlebnisse gut verarbeitet werden. Als Jugendleiter-in kann man sich auf viele mögliche Situationen vorbereiten, aber nicht jeder Teamer-in muss geschult werden - eine klar benannter Ansprechpartner-in, evtl. ein-e Hauptamtliche-r, sind in Krisensituationen hilfreich. Im Vorfeld sollte man überlegen, wie man in einer Krise reagiert und bestehende Notfallpläne anpasst und erweitert. Das sind aber nur Vorsichtsmaßnahmen - größtenteils verlaufen Maßnahmen mitjungen Geflüchteten unproblematisch.Meist können traumatisierte Menschennämlich selbst sagen, was sie belastet und was sie brauchen. Trotz möglicher Sprachbarrieren ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen, Bindungen aufzubauen und Transparenz sowie einen sicheren Rahmen zu gewährleisten und nichts zu versprechen, was man nicht halten kann. Der Referent gab den Tipp, jungen Geflüchteten die Freiheit zu lassen,selbst zu entscheiden, von welchen Erlebnissen sie erzählen wollen, und nur bei Bedarf Ansprechpartner-in zu sein. Gleichzeitig sollte man prüfen,ob andere Kinder und Jugendliche dabei sein sollten und, wenn nötig, das Gespräch zu zweit fortsetzen. Aufjeden Fall sollten junge Geflüchtete nicht auf ihr Leid reduziert werden. Denn geflüchtete Kinder und Jugendliche sind vor allem eins: Kinder und Jugendliche.

Fluchterfahrung aus Syrien: 18. Mai, Buxtehude

Die Referentin Hana Alkourbah erzählte zum Thema "Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten aus Syrien" aus Syriens Geschichte, welches 1955 das erste arabische Land mit Frauenwahlrecht wurde, und zeigte ein Bild von syrischen Pfadfinderinnen aus dem Jahr 1958. Alkourbah berichtete den Teilnehmer-inne-n aber auch vom komplexen und teilweise grausamen Krieg in ,in dem es Momente gab, "... da denkt man, man wird verrückt." Deshalb seies wichtig, die geflüchteten Menschenhier willkommen zu heißen. Hana Alkourbah ist überzeugt, dass es wichtigist, Geduld zu haben, flexibel zu seinund niemals aufzugeben. Es wurde auch die Wichtigkeit von Elternarbeit angesprochen: Sie sollten über Angebote aufgeklärt werden, um so Unklarheiten zu vermeiden. Das Ankommen in Deutschland beschrieb sie als "eine Mischung aus sich fremdfühlen, dieSprache nicht gut sprechen, freundlichen Gesichtern" - und Überforderung. Der Kontakt zur lokalen Bevölkerung, besonders in der Jugendarbeit, kann für junge Geflüchtete dringend benötigte Motivation und eine Perspektive schaffen.

Umgang mit rassistischen Aussagen: 23. Mai, Hameln

Beim Thema "Umgang mit rassistischen Aussagen in der Jugendarbeit" wurde direkt zu Beginn festgestellt, dass die Stimmung gegen geflüchtete Menschen in Deutschland aktuell zum Teil kippt. Die rassistischen Aussagen sind lauter und schlimmer als in den Jahren zuvor. Der Referent Michael Rogenz von der Amadeu-Antonio-Stiftung erklärte, was Rassismus bedeutet: Menschen werden anhand bestimmter Merkmale wie Sprache, Hautfarbe, vermeintlicher kultureller und religiöser Zugehörigkeit Gruppen zugeordnet, und diese Gruppen dann gegeneinander gewertet. Personen der gesellschaftlich dominanten Gruppe können in Entscheidungspositionen Personen aus einer (vermeintlich) anderen Gruppe benachteiligen und so der menschgemachten Unterscheidung reale Konsequenzen verleihen. Diese Diskriminierungen finden u.a. in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt oder beider Wohnungssuche statt. In Form von Anfeindungen und menschenfeindlichen Kommentaren kann sich Rassismus aber auch im alltäglichen Leben zeigen - leider auch in der Jugendarbeit, wie einige Teilnehmer-innen berichteten. Als Aufsichtsperson und Jugendleiter-in kann man verbal oft Grenzen setzen und eine klare Position beziehen, um deutlich zu zeigen, dass solche Aussagen in der Jugendgruppe nicht geduldet werden.