Qualifikationsreihe für interkulturelle Kompetenz in der Jugendarbeit

Die kultursensible Gestaltung von Angeboten der Jugendarbeit hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen und steigt nun durch die vermehrte Arbeit mit jungen Geflüchteten erneut. Im März hat der Landesjugendring Niedersachsen deshalb neue Qualifikationsangebote für interkulturelle Kompetenz in der Jugendarbeit gestartet. Die verschiedenen Formate sollen dazu dienen, die interkulturelle Kompetenz bei Aktiven in der Jugendarbeit zu vertiefen und zu erweitern.

neXTkultur in der "korrespondenz 128" vom 04.04.2016

 

 

WARUM GIBT ES DIE REIHE UND WOFÜR IST SIE WICHTIG?

 

 

In letzter Zeit sind viele Menschen nach Niedersachsen geflüchtet, viele wollen sich hier niederlassen und ein neues Leben aufbauen. Ein großer Teil von ihnen ist jung und im Alter der Zielgruppe der Jugendarbeit. Diese bietet mit ihren Prinzipien der Freiwilligkeit, Partizipation und Ehrenamtlichkeit einen Lebensbereich für junge Menschen, in dem sie sich ausprobieren können, Kontakte knüpfen, spielerisch lernen und zu verantwortungsbewussten Bürger-inne-n reifen.Dadurch kann die Jugendarbeit Stütze und Katalysator bei der Integration von neuen jungen Mitgliedern unserer Gesellschaft sein: Hier können Begegnungen und ein gemeinsamer Annäherungs- und Lernprozess stattfinden. Diese Prozesse verlaufen jedoch nicht immer problemlos. Es kommen mitunter Fragen auf und manchmal gibt es Herausforderungen. Bei der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten kommt es neben dem spezifischen Know-how zur Arbeit mit dieser Zielgruppe auch auf eine grundsätzliche interkulturelle Kompetenz an. Beispielsweise hat die bisherige Arbeit im Projekt neXTkultur gezeigt, dass die Kenntnisse und Erfahrungen in kultursensibler Jugendarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Praktiker-inne-n insbesondere auf der kommunalen Ebene noch gestärkt werden können. Um haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende zu unterstützen, bietet der LJR nun Veranstaltungsformate an, die aufkommende Fragen beantworten und Möglichkeiten zum Neben der Stärkung der interkulturellen Kompetenz bei haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in der Jugendarbeit soll das Qualifizierungsangebot dazu beitragen, die Angebote der Jugendarbeit insgesamt kultursensibel und rassismuskritisch zu gestalten und auch die oftmals unbewussten Zugangsbarrieren für junge Menschen mit Migrationshintergrund zu beseitigen.

 

 

WORAUS BESTEHT DIE QUALIFIZIERUNGSREIHE?

 

 

Die Qualifizierungsreihe startet mit den Bausteinen für interkulturelle Kompetenz. Diese ehrenamtsfreundlichen Tages- und Abendveranstaltungen sollen in einem mehrstündigen Block ein spezifisches Thema vertiefen und dabei helfen, sich regional zu vernetzen. Ab Frühjahr wird es zudem eine mehrtägige Ausbildungsreihe geben, die Multiplikator-inn-en der Jugendarbeit zu Trainer-inne-n für interkulturelle Kompetenz (TiK) qualifiziert. Die Teilnehmenden sollen anschließend dazu beitragen, die interkulturelle Kompetenz bei Ehren- und Hauptamtlichen zu stärken, und fortbildend wirken. Auch werden Juleica-Module für interkulturelle Kompetenz (JuMiK) konzipiert und ab der zweiten Jahreshälfte angeboten. Die Qualifizierungsreihe wird im Rahmen des Schwerpunktes neXTkultur im Förderprogramm Generation3 angeboten und durch zusätzliche Fördermittel des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung ermöglicht.

 

 

AUFTAKTVERANSTALTUNG

 

 

Am 12. März fand der erste Bausteine für interkulturelle Kompetenz in Hannover zum "Umgang mit statt. Der Referent Christoph Müller brachte den Teilnehmenden anhand der Bereiche Flucht, Trauma und Pädagogik das Thema näher. Er erklärte, dass flüchtende Menschen ihre vertraute Umgebung und wichtige Personen aufgeben müssen und unterwegs unvorstellbaren Belastungen ausgesetzt sind. Dabei betonte er vor allem, dass die Zeit nach dem schlimmen Erlebnis oft stärker zur Ausbildung eines Traumas beiträgt, als das Erlebnis selbst. Deshalb ist es in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten wichtig, Vorgänge und Abläufe transparent zu machen und die jungen Geflüchteten das Angebot mitbestimmen zu lassen, da während der Flucht vieles fremdbestimmt wurde. Christoph Müller wies vor allem im Blick auf die ehrenamtlichen jungen Teilnehmen darauf hin, dass sie auf sich selbst achten, sich nicht überfordern sollen sowie über ihre Erlebnisse reden und diese auch reflektieren müssen. Ein regelmäßiges Angebot in einer Jugendgruppe oder in einem Jugendtreff kann eine hohe Bedeutung für junge Geflüchtete haben, um Freude, schöne Erlebnisse und dringend benötigte positive Beziehungserfahrungen zu erleben. Die ehren- und hauptamtlich Teilnehmenden aus Jugendverbänden und Jugendpflege tauschen sich nachdem Vortragsteil zu eigenen Erlebnissen in ihrer Umgebung aus. Zusammen wurde ein Interviewtranskript zu einer Fluchtgeschichte gelesen und besprochen. "Dies gab einen guten Einblick - etwas Handfestes versetzen" konnte.

 

 

TRAINER-INNEN-AUSBILDUNG FÜR INTERKULTURELLE KOMPETENZ

 

Diese mehrtägige Ausbildungsreihe, die aus mehreren Semiarblöcken besteht, qualifiziert Multiplikator-inn-en der Jugendarbeit zu Trainer-inne-n für interkulturelle Kompetenz. Dazu wird sich tiefergehend mit sensibler Jugendarbeit und den Grundlagen rassismuskritischer Bildungsarbeit auseinandergesetzt. Neben der Behandlung sensibler Kommunikation und Methoden der Konzeption von Trainingsangeboten sowie der Reflexion der eigenen Position in der Gesellschaft werden auch fluchtspezifische Themen wie Fluchterfahrung, Traumata und Asylrecht vertieft. Die Teilnehmenden sollen anschließend dazu beitragen, die interkulturelle Kompetenz bei ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden der Jugendarbeit zu stärken und ihre Multiplikator-inn-en-Funktion wahrnehmen. Interessierte können gerne nextkultur@ljr.de kontaktieren. Termine für das Trainingsprogramm sowie die Anmeldemöglichkeiten befinden sich auf www.nextkultur.de/tik.html